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	<title>~ Seelenspiegel ~</title>
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		<title>~ Seelenspiegel ~</title>
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		<title>Die zwei Brüder (Eine Erzählung)</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:36:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Saerloon, Sembia &#8211; 1367 TZ &#8222;Das Jahr der Gebogenen Klinge&#8220; &#8222;Ich werde dir eine Geschichte erzählen, meine Liebe, die wirst du mir womöglich nicht glauben. Ich glaube sie selbst nicht einmal, doch leider ist diese Geschichte mein Leben. Ich kenne deinen Hunger nach Wissen, meine Liebe und ich kenne deine Ergebenheit. Du würdest früher oder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=57&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Saerloon, Sembia &#8211; 1367 TZ &#8222;Das Jahr der Gebogenen Klinge&#8220;</strong></p>
<p><em>&#8222;Ich werde dir eine Geschichte erzählen, meine Liebe, die wirst du mir womöglich nicht glauben. Ich glaube sie selbst nicht einmal, doch leider ist diese Geschichte mein Leben. Ich kenne deinen Hunger nach Wissen, meine Liebe und ich kenne deine Ergebenheit. Du würdest früher oder später wohl eh alles über mich erfahren.</p>
<p>Doch jetzt, da meine Geschichte noch etwas wert ist, ringe ich dir ein Versprechen ab: Lass dies unser Geheimnis sein und bewahre diese meine Worte für immer in deiner Erinnerung und lass sie dir nicht nehmen. Hast du dies verstanden, meine Liebe? Gut.</em></p>
<p>Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, den Namen habe ich schon vergessen. Das Dorf ist auch unwichtig für diese Geschichte. Allein, lass mich dir erklären, wie die Menschen dort waren. Natürlich waren es allesamt Bauern, abergläubisches Pack und stinkende Ratten. Meine Eltern unterschieden sich nicht viel von ihnen. Ich hatte einen etwa gleichaltrigen Bruder. Mein Bruder und ich wir waren von Beginn an etwas besonderes &#8211; ebenbürtig von Aussehen und Gestalt. Doch wir trugen eine Saat ins uns, die meine Familie nicht verstand.</p>
<p>Wir waren begabt für die Künste und früh verstanden wir beide es, schon als Kinder, kleinere Magien und Gedanken zu bündeln &#8211; oftmals entstand daraus nur Schaden, doch wer kennt als Kind schon die Bedeutung von Schaden und Leid?</p>
<p>Man schickte mich und meinen Bruder fort. Ein Mann nahm uns mit sich in einen großen Turm abseits der nahen Dörfer. Dort tauchten wir beide ein in ein Mysterium nach dem anderen und erkundeten Mystras Wunderwelt&#8230; Unser Lehrer war ein ehrgeiziger Magier. Er wollte uns die Triebe des Hexentums austreiben und uns die wahre Bedeutung der Kunst nahe bringen. Doch wie du siehst, ist es ihm nicht gelungen &#8211; wir waren nunmal für ein anderes Schicksal bestimmt.</p>
<p>Unser Lehrmeister war Anhänger der schwarzen Künste und früh erfuhren wir von den blutigen Ritualen, die er an Tieren und verlaufenen Mädchen durchführte. Er war ein Tier. Mein Bruder, Luth, hatte von da an Angst vor unserem Lehrmeister und er verließ den Turm eines Tags im Morgengrauen um zu unseren Eltern zurückzukehren.</p>
<p>Aber wie arrogant und anmaßend war ich selbst. Ich prahlte vor aller Welt mit meinem Können. Ich setzte die Künste impulsiv und ohne Nachdenken ein. Ich bezauberte Frauen, um zu bekommen was ich wollte, ich tötete andere junge Männer mit meiner Macht, wenn ich im Faustkampf zu unterliegen drohte. Nein, ich war damals gewiss schon kein unschuldiger Mensch mehr.</p>
<p>Als ich allein im Turm des Schwarzmagiers auf die Rückkehr meines Bruders wartete &#8211; ich hoffte fest darauf, dass er mich nicht verließ &#8211; flüsterte mir mein Lehrmeister ein, dass mich mein Bruder verraten würde, dass Luth neidisch auf meine Macht war, da er seit einigen Monden langsamer lernte als ich.</p>
<p>Daraufhin brach ich nach Hause auf um zu beweisen, dass mein Bruder dieses nicht vorhatte. Als ich in mein Elternhaus eintrat, begegnete man mir mit Sorge und Furcht. Ich stellte Luth zu Rede, ob er mich verraten hätte &#8211; doch dieser beteuerte, dass er mir gutes tun wollte. Wir streiteten darüber, wer im Recht war. Luth schlug mir vor, dass ich den Magier verlassen sollte und mir einen neuen Lehrmeister suchen sollte, so wie er. Er sprach davon, dass er doch spürte, wie ich mich veränderte und grausamer wurde.</p>
<p>Ich konterte, ich war bereits in voller Rage über Luths Worte, dass ich doch so gut und schnell lernte und ich in keinster Weise danach strebte den Platz des Schwarzmagiers einzunehmen. Meine Eltern schüttelten ihren Kopf und sie sprachen zu Luth, dass es wohl für mich schon zu spät sei und man nichtsmehr ändern konnte.</p>
<p>Als ich ihre Worte hörte, zerbrach meine Bindung zu ihnen und ich fiel einem Wutanfall zum Opfer. Ich erschlug meinen Bruder Luth in dieser Nacht mit den eigenen Händen und der Magie, die ich rief. Er hatte mich verraten.</p>
<p>Noch immer wild und von Sinnen kehrte ich zu dem Turm zurück, der bis dahin mein einziges Zuhause war. Dort sprach wiederum der alte Magier zu mir und tröstete mich &#8211; in dem Augenblick wollte ich ihm einfach glauben schenken. Er sprach, dass meine Eltern Luth wohl gegen mich aufgehetzt hätten und dass es allein ihre Schuld war, dass ich so wütend auf meinen Bruder geworden bin. So kehrte ich ein letztes Mal heim und schleuderte meine Schuldgefühle meinen Eltern entgegen, als ich erneut ihre Furcht vor mir spürte, verließ mich jeglicher gute Wille und ich rastete erneut aus und als ich wieder zu Sinnen kam, stand alles um mich herum in Trümmern und Asche.</p>
<p>Ich erkannte, zu was mich der Schwarzmagier getrieben hatte und meidete seinen Turm. Ich verließ das Land und  streifte als Vagabund umher, predigte als Quacksalber und erfreute Kinder auf den Jahrmärkten als Scharlatan. Das waren die Tage in denen ich keine Freude mehr verspüren konnte.</p>
<p>Selbst jetzt, da du und dein warmer Körper neben mir liegen, verspüre ich sie nicht, meine Liebe. Sie ist damals von mir gegangen. Ich brauche solche Gefühle heute auch nicht mehr.</p>
<p>Natürlich befragte ich mich tausend Mal selbst, wie es dazu kam und weshalb und wieso ich jetzt alleine war. Ich wurde krank vor Verbitterung und stand nahe am Selbstmord. Doch immernoch keimte die Hoffnung in mir, dass ich es wieder gut machen konnte. Aber sie können nicht mehr auferstehen.</p>
<p>Auf meiner Reise machte ich halt in einem versteckt liegenden Kloster und da die Mönche mich ohne zu Fragen aufnahmen und in ihrer Schweigsamkeit tolerierten, blieb ich stehen und kehrte der Welt außerhalb meinen Rücken. Ich stand in ihrem Tempel und betete, bis ich Ihr Gesicht sah und mir die Wahrheit wie Schuppen von den Augen fiel. Sie war es, die mich soweit brachte.</p>
<p><em>Jetzt siehst du immer noch den Hexer von einst vor dir, meine Liebe. Ich bin Asaaf, der Mörder des Luth und die Liste setzt sich beliebig lang fort. Ich existiere nur noch, weil es Ihr Wille ist, nicht meiner. Weil ich eine Macht behersche, die nicht länger von dieser Welt stammt. Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich nicht das sein kann, was du dir wünscht.</p>
<p>Versteh mich nicht falsch, meine Liebe. Wir teilen in diesem vergänglichen Moment sehr vieles, nicht nur unsere Leidenschaft. Du hast eine seltene Begabung und glaube mir, meine schöne, junge Priesterin&#8230; Je länger du mir zuhörst, desto mehr wirst du die Wahrheit meiner Worte verstehen.&#8220;</em></p>
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		<title>Episode III &#8211; Tanzwut (Kapitel 4)</title>
		<link>http://aleksiel.wordpress.com/2009/09/09/episode-iii-tanzwut-kapitel-4/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:34:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[[b]Fortsetzung…[/b] Ihr Zeitgefühl ging völlig verloren als sie durch die Dunkelheit wanderte. Niemand kam um sie zurückzuholen und niemand lauerte ihr auf, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Und so ging die Sharran einfach weiter. Die Gänge führten sie tiefer ins Erdreich und stiegen nach Stunden wieder an. Sie hörte fernes Echo von Stimmen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=55&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[b]Fortsetzung…[/b]</p>
<p>Ihr Zeitgefühl ging völlig verloren als sie durch die Dunkelheit wanderte. Niemand kam um sie zurückzuholen und niemand lauerte ihr auf, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Und so ging die Sharran einfach weiter. Die Gänge führten sie tiefer ins Erdreich und stiegen nach Stunden wieder an. Sie hörte fernes Echo von Stimmen, doch nach einiger Zeit tat sie all diese Erinnerungen an Lebendiges als Einbildung ab. Hier gab es einfach nichts das Sprechen konnte. Ihr verbliebenes Auge spielte ihr dumme Streiche, immer wieder schien es als sah sie Schatten an den Wänden herum schleichen, wo keine Schatten sein konnten, da das Licht fehlte. Sie versuchte Nuancen von Dunkelheit auszumachen. Doch in dieser Tiefe gab es nur das schwärzeste Schwarz. Kein Grau, kein Grauschwarz, kein Blauschwarz… Kein Schimmer von Farben.</p>
<p>Irgendwann bemerkte die Sharran, wie sie mit geschlossenen Augen voran lief und es machte keinen Unterschied mehr für sie. Sie konzentrierte sich stattdessen auf die Geräusche, die sie wahrnehmen konnte: Ihr eigener Herzschlag, der ihr die Gewissheit gab, dass sie wenigstens noch existierte. Das ferne Aufschlagen eines Wassertropfens auf eine harte Oberfläche. Das leise Säuseln des Windes, der hier jedoch nicht durch Blätter und Baumwipfel strich, sondern schnarrend durch die Gewölbe und Höhlengänge eilte. Sie stand oft da und atmete in einer zeitlosen Stille die Luft ein. Manchmal schmeckte sie Schwefel, manchmal nur das sie umgebende Erdreich oder nach kaltem Stein und Eisen, ein anderes Mal schmeckte die Luft süß und erinnerte sie an Beeren oder Wurzeln an der Oberfläche. Doch der sie umgebende Druck, das Erdreich, das sich über ihr aufmachte, ließen sie ahnen wie tief sie in Wirklichkeit im Unterreich wandelte.</p>
<p>Ihre Hände ertasteten anfangs den Weg für sie, doch nach einiger Zeit streckte sie ihre Arme nur noch von sich und ließ die Luftströmungen sie leiten. Trockenes Gestein machte sich unter ihren Füßen locker und kegelte in der Dunkelheit davon. Die Lautstärke des Geräuschs ließ für einen Augenblick ihren Herzschlag aussetzen und versetzte sie in Todesqualen. Hatten sie sie gehört? War sie nicht allein? Herrin?</p>
<p>[color=purple] [i]“Konzentriere dich, Nishune. Sieh in das Wasser und konzentriere dich auf die Wellen.“ „Ich sehe die Wellen kaum.“ „Dann spüre sie mit deinen anderen Sinnen. Achte nicht auf das, was du siehst, sondern auf das, was sie dir einflüstert.“</p>
<p>Noch einmal berührte die Fingerspitze der verrückten Priesterin das runde, flache Wasserbassin. Runde Kreise wallten durch die Berührung auf und ließen Wellen bis zum Rande des Gefäßes aufkommen. Die Novizin vertiefte sich wieder in den Anblick des dunklen Wassers. Die ältere Priesterin mit dem schlohweißen Haaren und dem jugendlichen Gesicht umwandelte ihre Schülerin aufmerksam. Erneut nahm sie die handgroße Holzschale auf, aus welcher in dicken Schwaden Qualm aufstieg, kniete neben ihrer Schülerin nieder und fächelte mit langsamen Handbewegungen dieser die Dämpfe zu. Wenn das Mädchen es nur zuließ, würde der Rauch es ihr erleichtern in den Nebel einzutauchen.</p>
<p>Die Novizin nahm einen tiefen Atemzug. „Was siehst du?“ „Ich sehe gar nichts.“ „Gut, das ist gut.“ Numestra kicherte in ihrer unheilvollen Art. Die verrückte Priesterin fasste ihre Schülerin fest an der Schulter an und drückte sie unerbittlich nach unten, so dass das Mädchen gebeugt über der Wasserschale saß. „Du musst dich fallen lassen!“</p>
<p>Und plötzlich ging es rasend schnell. Das schwarze Wasser in der Schale lief über seine Grenzen hinaus und bildete ein riesiges schwarzes Meer. Der schwarze Nachthimmel über ihr unterschied sich kaum von dem Wasser. Der Horizont erschien ihr in grauen Nebelschwaden und so sah sie kaum bis ans Ende des Meeres. Aber das Meer war auch unendlich! Sie konnte gar nicht soweit blicken.</p>
<p>Inmitten des Meeres stand die Novizin nun knöcheltief in diesem zähen schwarzen Wasser. Sie blickte auf ihre Füße und wusste nicht worauf sie stand, sondern sah nur in die endlose, schwarze Tiefe des Meeres ohne Grund. Und da drohte sie schon einzusinken, langsam aber sicher wurden ihre Knöchel von der Flüssigkeit verschluckt und das Wasser kroch höher hinauf, bis zu ihren Knien. Die Novizin versuchte zu schreien, doch ihr kam kein Laut über die Lippen. Todesangst hielt ihr Herz umklammert und eine eisige Kälte machte sich von da an bemerkbar. „Ich stehe! Ich stehe – fest!“ rief das Mädchen in die Dunkelheit hinaus. Plötzlich hörte sie wieder ihre Stimme als sie schrie: „Höre mich, Herrin! Ich stehe fest!“</p>
<p>Da erst spürte sie, wie das Wasser aufhörte an ihr empor zu klettern und sie erneut auf unsichtbaren, aber festem Grund stand. Von irgendwo drang eine vertraute Stimme an ihr Ohr. „Sehr gut, Nishune. Jetzt können wir ja die zweite Übung ausprobieren, ja… das machen wir.“ Numestra kicherte erneut fröhlich und in ihrer kindischen Art auf.[/i][/color]</p>
<p>Verwirrt schüttelte die Sharran den Kopf. Die Erinnerungen holten sie hier an diesem einsamen Ort ein, wie die Schatten das Licht. Sie lauschte auf das abebbende Lachen ihrer ehemaligen Lehrerin und verbannte den Gedanken schließlich ganz. Hier gab es keine Stimmen, wo sie war. Hier gab es nichts. Langsam bewegten sich ihre Muskeln wieder nach ihrem Willen und vorsichtig schlich sie weiter den Gang entlang. Irgendwo spürte sie eine weitere Abzweigung. Sie brauchte einen anderen Weg, der nach oben führte.</p>
<p>Als der Hunger sie zu übermannen drohte, suchte sie nach essbaren Pilzen und aß nicht selten ein Stück Lehm, das sie finden konnte… Nur um ihrem Magen etwas zu geben, mit dem er sich beschäftigen konnte. Die ein oder andere kleine Eidechse überlebte die Begegnung mit der hungrigen Priesterin auch nicht. An kleinen Rinnsalen blieb sie lange stehen und leckte das Wasser vom Felsen. Das man dreckig war und die eigene Haut zerschunden vergaß man schnell. Dennoch fürchtete sie sich vor anderen Geräuschen, die ihr nicht bekannt waren. Die Sharran huschte als lebendiger Schatten umher und verkroch sich in kleine Nischen, als Furcht vor den unsichtbaren Gefahren sie übermannten. Die wenigen Stunden, die sie Schlaf finden konnte, waren von Träumen geplagt. Die wenigen Stunden, die sie wach herumirrte, wurden von Visionen bedroht, die sie selbst mit offenen Augen heimsuchten.</p>
<p>[color=purple] [i][b]Tanzwut[/b]</p>
<p>Seit einem dutzend Zyklen sehnte sich die Novizin diese Nacht herbei. Ihre ersten drei Prüfungen lagen hinter ihr und jetzt erst war es ihr erlaubt selbst an den rituellen Tänzen bei Neumond teilzunehmen. Sie folgte den anderen Priesterinnen die graue Steintreppe hinab ins Labyrinth. Viele der anderen Frauen trugen Schmuck und ihre Hände und Gesichter waren mit Tuschezeichnungen verziert. Die Prozession schlich leise hinab ins Gewölbe des Tempels. Der gedämpfte Lichtschein von Kristallen warf tausend Schatten an die Steinmauern und es schien als würden die Schatten um die Priesterinnen herum schwanken. Die schwarzhaarige Novizin hörte immer wieder das Knurren und aufgeregte Scharren der Schattenklauen auf dem Boden.</p>
<p>Diese Nacht würde etwas Besonderes werden. Vor allem für sie. Es war ihre erste Tanzwut. Als die Prozession in der großen Unterirdischen Halle ankam, erwarteten sie bereits die männlichen Priester der Zelle. Die Frauen bildeten inmitten des Gewölbes einen großen Kreis, die Gesichter jeweils den anderen zugewandt. Auch die junge Novizin stand zwischen ihnen. In dieser Nacht wäre es egal, welchen Rang sie bekleideten. Das Chaos herrschte bei jeder Tanzwut.</p>
<p>Zwei der Frauen gingen nun den Kreis der Gläubigen ab und reichten einer jeden eine kleine Schale gefüllt mit einem dickflüssigen, schwarzen Liquor. Auch die Novizin trank davon und es fiel ihr schwer die schwere Flüssigkeit hinab zu schlucken. Die zähe Masse ließ ihre Zunge für einen Moment taub werden und schmeckte seltsam bitter. Dennoch spürte sie rasch, wie eine angenehme Hitze von ihr Besitz ergriff und sich jeder Muskel ihres Körpers lockerte und gleichzeitig voller Aufregung anzuspannen schien.</p>
<p>Als die Trommeln aus der Ferne durch die hohen Kreuzgänge schallten, flackerten die wenigen magischen Kohlebecken auf und gaben dem Labyrinth ein unheilvolles Zwielicht. Nach einiger Zeit, als sie noch über die Wirkung des Tranks nachdachte, kam es ihr so vor als ob die Trommelschläge schneller und lauter wurden. Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass ihr Atem rasch schneller ging, im Gleichtakt zu den Trommeln. Und in ihren Ohren rauschte wie wild das Blut. Die Trommeln riefen nach dem Blut der Nacht. Ehe sie sich versah, befand sie sich inmitten von einem wilden Tanzgetümmel. Die Frauen bewegten sich wie fliegende Schemen im Kreise und als die Novizin zu laufen begann, streckte sie beide Hände weit aus, um die anderen Frauen zu berühren.</p>
<p>Der Tanz wurde immer schneller und der Takt der Trommeln rauer und wilder. Wie viel Zeit verging gerade? Wer waren die Gestalten um sie herum? Diese Gesichter… Fratzen… Masken… Mit weit aufgerissenen Augen tanzte sie und drehte sich um sich selbst, ihre Beine schienen immer weiter laufen zu wollen. Bei jedem neuen Trommelschlag warf sie den Kopf in den Nacken und stieß ein lautes Heulen aus. Sie bemerkte, wie ihr Atem rasselnd aus der Kehle drang und sie japste nach Luft. Ihr Herz wollte ihr vor lauter Anstrengung aus der Brust springen. Und trotzdem wollte sie nicht, dass es aufhörte, sie begann noch schneller zu wirbeln und verschwendete keinen Gedanken mehr daran, was als nächstes geschehen könnte.</p>
<p>Ihr Blut pulsierte durch ihren Körper, lebendig wie sie war. Das berauschte Elixier verglühte sie innerlich und kochte. Heißer Dampf wogte durch ihren Körper, durch ihre Lungen und durch den Kopf. Von fern drangen andere Geräusche an ihr Ohr, wie im Traum, hörte sie die anderen Gestalten aufschreien und leise stöhnen. Sie würde verbrennen, dachte sie sich. Am lebendigen Leib würde sie in eine Stichflamme aufgehen. Sie musste die Hitze befreien.</p>
<p>Die Novizin wankte aus dem Kreis der Tanzenden, von denen sie manche bereits am Boden hin und her warfen, ihren wilden Zuckungen erlagen oder sich in Paaren räkelten. Ihre beiden Handflächen ließ sie über die glänzenden, kühlen Klingen streifen, bis sie spürte dass das Blut langsam aus den Wunden floss und der Schmerz ihr angenehme Kühle verschaffte. Mit beiden Handflächen wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und schmeckte Salz und Blut auf ihren Lippen.</p>
<p>Wieder ließ sie sich in den Strom zurückfallen und wirbelte unter den Torbögen entlang, folgte den Schatten und tanzte mit einem unsichtbaren Wirbelsturm. Aber nie wollte sie halt machen oder neuen Atem holen, den ganzen Augenblick musste sie auskosten. Einen jeden ihrer Schritte schenkte sie ihrer Göttin, für ihre Geliebte wollte sie tanzen. Ihre Bewegungen waren einmal schlicht und langsam, wie von einer Welle wurde ihr Körper getragen. Dann spannte sie all ihre Muskeln an und warf ihre Arme in die Höhe und sprang zwei Schritte weiter. Sie verlor den Rhythmus und fand ihn mit den Trommeln wieder. Mal waren die Trommelschläge fern, mal klangen sie ganz nah in ihrem Inneren wieder. Und von überallher hörte sie Stimmen…</p>
<p>Sobald sie an anderen Tänzern vorbeihuschte, streckte sie ihre Hände aus und strich demjenigen über die Haut und das Gesicht, dabei blutige Spuren hinterlassend. Manch andere schlugen mit der flachen Hand nach ihr und oft genug taumelte sie durch die Wucht einer Ohrfeige zurück. Dann richtete sie sich bald auf und warf sich dem nächsten Tänzer in die Arme, oft wurde sie mit einem Kuss auf die Lippen belohnt. Es war egal, wenn sie geschlagen wurde. Es war egal, wenn sie berührte. Es bedeutete in diesem Moment nichts.</p>
<p>Inzwischen klebte ihr der nasse Stoff ihres Gewands am Körper, wie eine zweite Haut. Der Schweiß sickerte aus ihren Poren und ließ ihre Haut glänzen. Ihre langen Haare hingen ihr in feuchten Strähnen ins Gesicht.</p>
<p>Irgendwann wurde sie von einem Arm gepackt und in einen dunklen Gang gezogen. Der Mann riss ihr nur den nassen Stoff von der Haut und drückte sie an die nächste kalte Wand. Durch Rausch, Drogen und die Anstrengung des Tanzes spürte sie nicht mehr viel von dem, was der Mann mit ihr anstellte.</p>
<p>Die Erinnerungen an den Tanz verblassten schnell als sie am nächsten Morgen mit katastrophalen Kopfschmerzen, Übelkeit, Zerrungen und Muskelkrämpfen auf dem Boden neben ihrem Bett erwachte.[/i][/color]</p>
<p>Eine Leere verdrängte ihre Gedanken und ließ ihre Schritte langsamer werden. Es hatte keinen Sinn weiterzugehen. Sie würde nie zur Oberfläche zurückkehren können und wahrscheinlich wäre sie das nächste Opfer der Bestie. Aber für denjenigen, der stehen bleibt und auf sein Ende wartet, würde es schneller kommen als für den, der sich seinem Schicksal stellt. Ihre Schritte wurden langsam wieder schneller. Shar würde sie leiten, wie so oft davor. Sie hatte eine Aufgabe, die sie erfüllen musste, noch bevor sie sich zur Ruhe legen konnte. Und mit Freuden würde sie jeden Wunsch ihrer Göttin erfüllen. Aber nichts sprach dafür, dass sie an diesem verlorenen Ort ausharren musste. [i]Göttin, führe mich![/i]</p>
<p>Doch als sie ihre Arme der Dunkelheit entgegen streckte, sprach eine andere Stimme zu ihr. [i]Warum nicht hier bleiben? Warum nicht warten? Warum nicht verhungern? Warum nicht sterben? Etwas lachte bei diesem Gedanken. Das ist ihre Essenz. Du gehörst doch Ihr, nicht dir selbst. Und du gehörst mir! Mir! MIR! Nicht dir. Mir…[/i]</p>
<p>Die Sharran stolperte von da an weiter, ohne auf ihre Umgebung zu achten. Ihr Geist war nach innen gekehrt und sprach mit dieser fremden Stimme in ihrem Kopf.</p>
<p>[i]Ich muss zurück in die Marken! Dort gehöre ich hin. Das hat sie mir aufgetragen. – Nein, du gehörst hierher. In ihre Dunkelheit. Hier wird sie zu dir sprechen können. Du hörst sie doch nicht, wenn ich nicht da wäre. Hier ist es besser.</p>
<p>Sieh dich um. Ihr Atem umweht dich hier mit jedem Schritt. Die Dunkelheit kann dich in ihren Armen wiegen? Wäre das nicht, das was du dir wünscht? Du kannst in Ihr aufgehen. Und nimm’ mich mit! Vergiss’ mich nicht, hörst du? Ich gehör’ dazu.</p>
<p>Nein! Ich sage nein. Hier bin ich nutzlos für sie. Dann nimm’ ein Stückchen mit dir mit? Warum ein Stück – ein Herz voll! Dann hast du es immer bei dir… Immer bei mir.[/i]</p>
<p>Ihre Hände ließ sie durch die Dunkelheit streichen und berührte den nächsten Felsen. Sie spürte wieder etwas. Harten, kalten Stein. Die Sharran drückte sich an die Felswand und ließ ihre Schultern, Rücken und Oberarme am Stein entlang wandern.</p>
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		<title>Episode III &#8211; Ewige Finsternis (Kapitel 3)</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:33:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Flucht war schmerzvoller als ein tagelanger Marsch mit Fesseln. Sie konnte eh nur humpeln und stolperte die meiste Zeit, da ihre Füße sich kaum eine Unterarmbreite voneinander trennen ließen. Bei der plötzlichen Kraftanstrengung zwang sie schnell der aufkommende Hunger und Durst in die Knie, ihre Beine schienen nur noch aus brennenden schwachen Muskeln zu [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=53&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Flucht war schmerzvoller als ein tagelanger Marsch mit Fesseln. Sie konnte eh nur humpeln und stolperte die meiste Zeit, da ihre Füße sich kaum eine Unterarmbreite voneinander trennen ließen. Bei der plötzlichen Kraftanstrengung zwang sie schnell der aufkommende Hunger und Durst in die Knie, ihre Beine schienen nur noch aus brennenden schwachen Muskeln zu bestehen.</p>
<p>Irgendwann als sie sich wieder auf ihre Umgebung konzentrieren konnte und die Sehnsüchte ihres Körpers zurückgedrängt hatte, wusste sie das dies nicht der Fährte entsprach, die sie gekommen waren. Sie hatte sich verirrt. Für einen Moment drohte sie Panik zu überkommen und sie wankte in ihrer Entscheidung: vor oder zurück? Sie konnte nicht zurück. Schwer keuchend blieb die Sharran stehen und starrte in die Finsternis.</p>
<p>[i]“Herrin… Ich bin deine Dienerin. Wenn du mich rufst, werde ich zu dir kommen. Doch ich bin noch nicht zu schwach um einen letzten Dienst auszuführen. Zeige mir deinen Weg, Geliebte!“[/i] Danach hustete sie, ihr Hals war staubtrocken. Sie hob ihre beiden Hände sich vors Gesicht. An eine lehmige Höhlenwand gelehnt, versuchte sie vergeblich ihre Handfesseln von den Händen abzustreifen.</p>
<p>Die Berührungen des Eisens auf zerschundener Haut ließen sie aufkeuchen, trotzdem gab sie nicht auf. Sie konzentrierte sich auf eine Erinnerung. Man hatte ihr beigebracht mit so etwas umzugehen. Nach einer Weile lockerte sie ihre Finger und das Handgelenk, massierte die Muskeln ihrer Handfläche und dehnte das Daumengelenk soweit sie konnte. Mit der Zunge leckte sie über ihre Hand, die wenige Spucke, die sie aufbringen konnte, auf der Haut verteilend. Doch so sehr sie sich anstrengte, die Eisenringe wollten nicht über ihr Gelenk passen.</p>
<p>[i][color=purple]Sie hasste es singen zu müssen. Während sie mit den anderen Novizinnen durch die Fluren der Nacht ging, war das Mädchen wie so oft in ihre eigenen Gedanken vertieft. Der Gang führte sie in das innere Refugium des Tempels, um dem Tempeldienst beizuwohnen. Der Gedanke an die feierliche Zusammenkunft aller Geweihten und der Dienerschaft des Tempels ließen ihr Herz schneller schlagen. Dennoch hielt sie sich in der kleinen Gruppe aus einer handvoll Mädchen versteckt.</p>
<p>Es musste ja niemand mitbekommen, dass sie die heiligen Gesänge hasste wie das Licht. Stattdessen sprach sie viel lieber die Texte auf, die man ihr vorlegte. Deswegen würde sie wie jede Nacht ihre Lippen nur zögerlich zu den Gesängen der anderen Priester und Priesterinnen hinzugesellen. Es gab so viele andere, die schöner singen konnten wie sie. Das Mädchen warf einen kurzen Blick zu einer anderen jungen Novizin hinüber, die wenige Schritte vor ihr ging. Kethra, zum Beispiel, hatte eine Stimme, die wie Wasser von einer Höhlendecke perlen konnte.</p>
<p>Sie wusste nicht, ob sie die andere Novizin darum beneiden sollte oder nicht. Kethra erwies sich in fielen Dingen ähnlich geschickt wie sie. Sie konnte ebenso schnell schreiben und las die alten Überlieferungen ebenfalls ohne Fehler vor. Das einzige was sie letztlich vor den Augen der älteren Geweihten der Zelle unterschied war, dass Kethra hellbraunes Haar hatte und dieses stets unter einer schwarzen Kowa verbergen musste.</p>
<p>Die Novizinnen in ihren einfach gehaltenen schwarzen Roben gingen leise und ohne Worte die dunklen Gänge entlang. Einige andere Priester eilten an ihnen vorüber oder schlossen sich ihnen an. Nicht zum Tempeldienst zu erscheinen war Verrat an der Göttin selbst und wurde mit schweren Strafen geahndet. Als sie im inneren Heiligtum ankamen, waren wie gewohnt die meisten der Plätze bereits vom höheren Klerus besetzt. In der runden, hohen Halle befand sich in der Mitte ein großer Steinaltar, sie wusste, dass er dort stand, obwohl er jetzt von einer Wolke aus schwarzer, verwobener Dunkelheit verschluckt war. Über dem Steinaltar hing eine Scheibe aus gefärbtem Glas schwebend in der Luft. Die Novizinnen traten nacheinander in die Wolke aus Dunkelheit ein und knieten kurz vor den Altarstufen nieder, danach setzten sie sich auf ihre Plätze. Sie ließ kurz ihren Blick über die Anwesenden schweifen. Die meisten der Priester und Priesterinnen waren ihr bekannt, doch ab und zu fand man ein neues Gesicht, auch wenn die Fluren der Nacht nur wenige Gäste für würdig befanden.</p>
<p>Die ehrwürdige Gestalt der Hohepriesterin erhob sich und breitete stumm ihre beiden Arme aus, eine Schockwelle dunkler Energien durchflutete die Halle und das Zentrum, der Altar, vibrierte kurz. Daraufhin begann sich die Scheibe Shars über dem Altar in immer schnelleren Kreisen zu drehen und Arme von Dunkelheit schlichen durch die Reihen der Priester, bis schließlich die ganze Halle vollständig in Finsternis gehüllt war.</p>
<p>In diesem Moment begannen die Stimmen aus mehr als ein dutzend Kehlen dunkel zu summen. Auch die jungen Novizinnen fielen mit ein. Eine jede war für sich in Dunkelheit gehüllt und vernahm nur die Stimmen der anderen Mädchen neben sich. Der Chor aus dunklen Stimmen wurde langsam lauter und schließlich begannen eine handvoll Frauenstimmen die Worte eines Gebets zu singen. Der langsame und schwerfällige Rhythmus brachte die junge Novizin aus dem Takt des dunklen Hintergrundsummens und gebannt lauschte sie mit geschlossenen Augen auf die vielen Stimmen. Tief in sich spürte sie Angst und Erregung gleichermaßen. Als würde eine kühle Hand ihren Nacken entlang streifen, glitt ihr eine Gänsehaut unter der Robe über den Körper. Die Worte der Sänger berührte sie tief und ihre Lippen formten lautlos die einzelnen Silben des Gebets an die Nacht. Schließlich erstarb das Summen auf allen Lippen und die Priesterinnen sprachen die letzten Zeilen des Gebets immer wieder von vorne auf und wurden dabei langsam leiser.</p>
<p>Die göttliche Dunkelheit verflüssigte sich langsam und stieg in die Höhe der Halle hinauf, wo sie sich als dunkler Schatten niederließ und wie ein Mantel den Himmel der Nacht aufwölbte. Alles war so vollkommen in diesem Moment. Aber wie so vieles war auch dieser Moment vergänglich und die junge Novizin lenkte ihren Blick von der Decke zurück zum Altar, der nun für ihre Augen nicht länger in Dunkelheit gehüllt war. Drei Priester, darunter die Hohepriesterin, standen auf den Stufen des Altares und ließen sich langsam auf ihre Knie nieder. Mit ausgestreckten Armen riefen sie die Göttin der Nacht und des Verlustes mit ihren neun heiligen Namen an.</p>
<p>Die Novizinnen und alle anderen Anwesenden antworteten und stimmten abermals in ein Gebet mit ein.[/i]</p>
<p>Das Gebet rann leise von ihren Lippen als sie sich an es erinnerte. [i]Herrin, ich rufe dich an. Tänzer der Nacht, schenke mir deinen dunklen Kuss. Lass mich mit dir tanzen.[/i] Sie spürte, wie ihre Göttin sie erhörte und mit einem Mal spielten ihre Muskeln so, wie sie wollte. Sie formte ihre Hand so dünn und lang wie möglich und streifte die Fesseln von den Handgelenken ab.</p>
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		<title>Episode III &#8211; Das lauernde Verderben (Kapitel 2)</title>
		<link>http://aleksiel.wordpress.com/2009/09/09/episode-iii-das-lauernde-verderben-kapitel-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:32:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein großer Fleck Dunkelheit bewegte sich durch die Schatten. Das tiefschwarze Fell hob sich kaum von der umgebenden Schwärze von Erde und Stein ab. Vier mächtige Pfoten ließen das Wesen über Geröll und feuchtes Erdreich hinwegschweben. An jeder Pranke glitzerten vier scharfe Krallen, sobald sie auf den Boden aufgesetzt wurden. Der lange Schweif wirbelte unruhig [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=51&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein großer Fleck Dunkelheit bewegte sich durch die Schatten. Das tiefschwarze Fell hob sich kaum von der umgebenden Schwärze von Erde und Stein ab. Vier mächtige Pfoten ließen das Wesen über Geröll und feuchtes Erdreich hinwegschweben. An jeder Pranke glitzerten vier scharfe Krallen, sobald sie auf den Boden aufgesetzt wurden. Der lange Schweif wirbelte unruhig durch die Luft. Zwei riesige Fledermausohren drehten sich abwechselnd in die Richtungen, aus denen Geräusche an das Wesen heran drangen. Schmieriger Geifer floss dem Wesen aus dem leicht geöffneten Maul, in welchem scharfe Reißzähne gut verborgen waren. Die schwarze Zunge des Wesens schlich immer wieder hinaus in die Luft und tastete dem Wesen über die Schnauze.</p>
<p>Schon seit vier Batschukas und einem Höhlensalamander folgte das Wesen der Spur der Karawane. Die Zwischenmahlzeiten waren genug, um seinen Verstand wach zu halten und nicht aus Heißhunger über seine Beute herzufallen. Der Geruch von Eisen, Schwäche und Dunkelelfen war zu undefinierbar als sich dem Wunsch einer schnellen, aber womöglich fatalen Jagd hinzugeben. Er musste den richtigen Moment abpassen. Und sein Timing war immer nahezu perfekt.</p>
<p>Akshasamyr, das lauernde Verderben. Er war der älteste und weiseste seines ganzen Volkes, unzählige Knochen berichteten von seinen scharfen Krallen und von Zähnen, die selbst das stärkste Metall durchdringen konnten. Sein Territorium ging von den Wasserfällen bis zu den in die Tiefe fallenden Steinen. Alle Kleineren seines Volkes mieden das Gebiet, wenn sie an ihrem Leben hingen. Natürlich gab es auch Gefahren, die ihm selbst gefährlich werden konnten. Doch in seiner Jugend hatte er viel Glück und mit dem Älter werden siegte sein Verstand &#8211; ein Erfolgsrezept.</p>
<p>Das Wesen wendete sich von seiner Fährte ab und verschwand in einem anderen Tunnel. Bald würde seine Beute nochmals lagern und seine Nase sagte ihm, dass der Ort den sie wählten zu seinen besten Jagdgründen gehörte. Blutdurst trieb ihm den Geifer ins Maul und gleichzeitig breitete sich Anspannung in seinen Muskeln aus. Er musste schnell und geschickt zuschlagen, sonst wäre alles umsonst gewesen.</p>
<p>Die Sharran saß mit dem Rücken zur schroff aufragenden Höhlenwand. Sie versuchte vergeblich ihre Handketten von der Haut fern zu halten. Ihre Hand- und Fußfesseln waren bereits blutig aufgerieben durch den langen Marsch. Das Eisen, das ihr durch die obersten Hautschichten schnitt, ließ sich nicht vom Fleisch lösen. Sie wusste, dass sie lange Zeit Narben davon zurückbehalten würde. Zumindest solange sie nicht ihre Göttin um Linderung bitten konnte. In ihren Gedanken betete die Priesterin dafür, dass Shar ihr bald eine Möglichkeit zur Flucht zeigen würde.</p>
<p>In der Zwischenzeit gingen die Sklavenhändler die lange Kette an Gefangenen ab, kippten noch einem jeden ihrer Schützlinge einen Becher Wasser in den Hals und machten sich daran ihr eigenes Lager in der niedrigen Passage einzurichten. Die vier bereits platzierten Wachen ließen argwöhnische Blicke über ihre Umgebung schweifen. Vereinzelt waren Fackeln in den Boden gerammt worden, um die Sklaven besser im Auge behalten zu können. Doch früh genug waren die ersten Gedanken an Flucht zerschlagen worden…</p>
<p>[i]“Mit dem Brandmal können wir euch überall wieder finden. Und denkt nicht, dass ihr hier unten weit kommen könntet. Wahrscheinlicher ist es, dass irgendeines der wilden Raubtiere euch fressen wird… oder noch schlimmer: Ihr werdet von den beiden Drow gefunden. Die haben es nämlich gar nicht so gerne, dass ihr Eigentum davonläuft.“ Der Wächter grinste den beiden Frauen vor sich ins Gesicht. Seine eigenen Zähne verfaulten ihm bereits. Hier gab es ja nichts als Höhlenpilze und Schnecken, die wirklich für Menschen genießbar waren.[/i]</p>
<p>Nun vielleicht dachten die Sklaventreiber, dass so ihre Ware leichter einzuschüchtern sei. Was bei den anderen Gefangenen sicherlich Wirkung gezeigt hatte, ließ aber die Shar-Priesterin kalt. Niemand anderes als ihre Göttin würde über ihr Leben entscheiden. Während die beiden angeketteten Frauen links und rechts von ihr sich in stiller Verzweiflung zusammenkauerten, konzentrierte sich die Priesterin auf die wenigen Möglichkeiten die ihr blieben. Warten.</p>
<p>Der Moment kam für die Wächter unerwartet. Der Sklave schrie in Todesqualen auf, als der schwarze Schatten sich auf ihn stürzte. Man hörte das Knacken von Knochen und das Klirren von Kettengliedern. Dann war alles wieder still. Nur ein großer Blutfleck an dem Platz, wo noch zuvor ein Mensch saß, zeugte davon, dass wirklich etwas geschehen ist. Schnell fasste sich der Hauptmann und schrie keifend Befehle an seine Männer aus. [i]“Treibt die Sklaven zusammen! Tötet das Biest!“[/i] Von den beiden Drow war keine Spur mehr zu sehen. Verdammte Dämonen!</p>
<p>Einer der Wächter entdeckte die feine, kaum sichtbare Blutspur, die die Kreatur hinterlassen hatte. Sie führte in eine bisher unausgeleuchtete, schwarze Nische.</p>
<p>Wieder schrie einer der Sklaven auf, doch der hohe Schrei endete ebenso abrupt. Und plötzlich erloschen die Fackeln. Der Hauptmann konnte kaum noch die eigene Hand vor den Augen sehen. [i]“Tötet die Bestie!“[/i] Er hielt fest sein eigenes Schwert umklammert und konzentrierte sich auf seine Umgebung. Die Gefangenen schrieen und wimmerten verängstigt. Konnte ihnen keiner das Maul stopfen?</p>
<p>Die Sharran fand sich auf einmal in angenehmer Dunkelheit wieder. Von irgendwoher gellten Schreie der Wachen und anderen Gefangenen wieder. Sie zog an ihren Handfesseln und spürte immer noch, wie diese sie hielten. Mit einem Mal wurde ihr der feuchte, bestialisch stinkende Atem bewusst, der ihr ins Gesicht schlug. Sie starrte in die Dunkelheit vor sich. Höllisch kluge Augen mit schlitzförmigen, katzenähnlichen Pupillen fixierten sie. Als die Kreatur keine Handbreit mehr von ihrem Gesicht entfernt war, entkam der Kreatur aus den Tiefen ihrer Kehle ein unheilvolles Grollen.</p>
<p>Akshasamyr wendete sich von dem Weibchen ab. Er roch die beiden Dunkelelfen, die auf seiner Fährte waren. Schnell packte er nach dem Fleisch und riss mit der Pranke die Kettenglieder entzwei. Das Maul schloss sich um den Nacken seiner quiekenden Beute und mit wenig Kraftaufwand sprang das Lauernde Verderben wieder in das Labyrinth an Höhlengängen zurück, aus dem es gekommen war. Die beiden Drow waren dem Urborg-Panther nah auf den Fersen.</p>
<p>Die Priesterin vernahm das knackende Geräusch als sich die Kiefer der Kreatur um einen Nacken schlossen. Das Aufschreien und das Klirren der Kette, die plötzlich für sie an Gewicht verlor, ließen sie ihre Augen wieder öffnen. Der Platz neben ihr war frei. Sie hob ihre beiden Hände an und die lange Kette, die sie an ihrem Platz hielt, glitt durch die Ringe an ihren Handfesseln hindurch.  Schneller als sie denken konnte, sprang sie auf ihre Füße und rannte durch die Dunkelheit, den Weg zurück, den sie gekommen waren.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/aleksiel.wordpress.com/51/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/aleksiel.wordpress.com/51/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=51&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Episode III &#8211; Stiller Sold</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:31:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie erwachte als ihr Kopf unsanft an den Haaren nach oben gerissen wurde. „Auf die Beine, los! Ihr müsst laufen, wenn Ihr nicht sterben wollt!“ schrie ihr eine raue Männerstimme direkt ins Gesicht. Sie spürte feuchte Spucke auf ihren Wangen. Um sie herum verschwommen erst die Bilder, abgehackte Bewegungen konnte sie nur am Rande ihres [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=49&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie erwachte als ihr Kopf unsanft an den Haaren nach oben gerissen wurde.</p>
<p>„Auf die Beine, los! Ihr müsst laufen, wenn Ihr nicht sterben wollt!“ schrie ihr eine raue Männerstimme direkt ins Gesicht. Sie spürte feuchte Spucke auf ihren Wangen.</p>
<p>Um sie herum verschwommen erst die Bilder, abgehackte Bewegungen konnte sie nur am Rande ihres Blickfeldes wahrnehmen. Langsam stützte sie sich auf ihren Händen ab, sie spürte feuchten Sand unter sich und den rauen Stein einer Höhle. Als ihr Blick sich aufklärte, konnte sie mehr von ihrer neuen Umgebung ausmachen. Andere Stimmen wurden laut und drangen an ihr Ohr. Menschliche Klagerufe und ängstliches Wimmern. Von irgendwo hörte sie das vertraute Klatschen einer Treiberpeitsche auf den glatten Stein, als Antwort schrie von irgendwo ein Mann in Qualen auf.</p>
<p>Gelächter ertönte in ihrer Nähe, seltsames Gelächter. Es klang derartig tief sadistisch und gehässig &#8211; als sie es nie von Menschen gewohnt war. Schließlich richtete sie sich ganz auf und bemerkte erst jetzt, dass ihre Hände und Füße in eisernen Ketten gefesselt waren. Des geringen Bewegungsfreiraum ungewohnt, ging sie vorsichtig einige Schritte auf eine Lichtquelle zu, nur um zu bemerken, dass sich ihre Fußfessel anspannte. Die Kette führte zu einem Ring, der in eine Höhlenwand geschlagen worden war, und von dort aus weiter zu anderen Fußschellen. Es waren wohl an die zwei dutzend weiterer Menschen, die ebenso wie sie angekettet worden waren.</p>
<p>Und ein kurzer Blick zeigte, dass sie bisher nur eine üble Überraschung verkraften musste. Der Mann, der neben ihr auf dem Boden lag, konnte sich kaum mehr rühren, so verunstaltet war sein Körper durch Schläge und andere Folterungen. Sie erkannte rasch, dass er nur noch schwach atmete, und wenn dieser noch weitere Tage hier liegen musste, würde er bei lebendigem Leib verrotten.</p>
<p>„Los! Aufstehen, Pack! Wenn ich die Hunde auf Euch hetze, werdet ihr euch sicherlich freiwillig um den ersten Platz in der Reihe prügeln!“ dröhnte aus der Ferne erneut die herrische Männerstimme. Daraufhin erhaschte die Priesterin ein leises Flüstern von einem Durchgang in der Nähe. Zwei Gestalten in dunklen Rüstungen konnte sie dort ausmachen. Sie waren schmächtig, zwei spitz zulaufende Ohren und ein verräterisches Funkeln aus ihren rot glühenden Augen ließen die Sharran wissen, mit wem sie es zu tun hatte.</p>
<p>[i]Dunkelelfen! Wo bei den Neun Höllen bin ich?[/i]</p>
<p>Zögernd kehrte ihr Bewusstsein in ihren Körper zurück, ihr Verstand klinkte sich erneut in ihr Denken mit ein. Sie trat ein paar Schritte zurück zur Wand und  musterte in aller Stille die Abläufe in ihrer Umgebung.</p>
<p>Eine große Höhle, sie schmeckte es an der Luft, der Geruch von Menschen und Schmutz stand förmlich in der unterirdischen Kammer. Ein kleines Echo hallte von den Höhlenwänden wieder. Ein dutzend Menschen, wahrscheinlich mehr, und womöglich mehr als zwei Dunkelelfen. Über die Hälfte der Menschen waren anscheinend Verschleppte, Entführte, Sklaven – unter anderem sie selbst. Die meisten davon waren zu schwach um aufrecht zu gehen, hungrig und Blut und Unrat klebte an jedem Fetzen Gewand. Sie konnte eine handvoll gerüsteter Männer und Frauen ausmachen, welche die Angeketteten aufscheuchten oder mit Gewalt herumschubsten.</p>
<p>Sie selbst hatte noch den größten Teil ihrer Robe am Leib, auch wenn diese inzwischen feucht und schmutzig war. Sie brauchte nicht mit ihren Händen unter ihrer Robe danach fühlen, um zu wissen, dass sie ihr den Dolch weggenommen hatten. Ihr Bauch fühlte sich leer an und sie spürte Durst, also musste sie etwas länger weggetreten gewesen sein. Und das wichtigste: Es war Nacht. Überall.</p>
<p>Sie blickte etwas unschlüssig auf die Kettenringe, die ihre Handfesseln umgaben. Sie saßen verdammt fest und ihre Knöchel schmerzten bereits leicht. Mit roher Gewalt konnte sie daran nichts aussetzen. Doch sie wagte es nicht ihre Göttin anzurufen – noch hatte man sie nicht geknebelt. Diesen Vorteil wollte sie für sich benützen.</p>
<p>Ihr Blick glitt zu den beiden Drow hinüber. Sicherlich Sklavenhändler. Diese Bastarde würden ihren Zorn schon noch zu spüren bekommen.</p>
<p>Plötzlich wurde die Sharran an den Handgelenken nach vorn gerissen – die Sklavenkette setzte sich in Bewegung.</p>
<p>Die Drow verschwanden aus ihrem Blickfeld als sie sich schleppend durch das Gewirr an Gängen fortbewegten. Vor sich nahm sie nur die eingesunkenen Schultern einer anderen Frau war, ihr Haar muss wohl einmal rot gewesen sein. Hinter ihr wankte ein beleibter Mann, der früh das Jammern eingestellt hatte, als er das erste Mal Bekanntschaft mit der Peitsche geschlossen hatte. Der Mann, der ehemals hinter ihr angekettet war, wurde im Auffang-Lager zurückgelassen. Wie so viele andere, die für zu schwach befunden wurden.</p>
<p>Das Auffang-Lager. So nannten die Wachen den ersten Kerker, wo sie aufgewacht war. Anscheinend sammelten sie dort ihre Beute, bevor sie in die ewige Nacht aufbrachen. Die Wachen scherzten oft und rissen grobe Witze, wenn sie nicht damit beschäftigt waren, die Gefangenen zu schikanieren. Noch schienen sie sich auf sicherem Grund zu befinden. Von der vor ihr liegenden Wegstrecke konnte die Priesterin nichts aufschnappen. Anscheinend redeten selbst diese Grobiane ungern über das Ziel der Reise.</p>
<p>Während sie ihrem Vordermann nachstolperte und versuchte mit den Gefangenen Schritt zu halten, beobachtete sie aufmerksam ihre Umgebung. Die Höhlen waren ihr unbekannt, doch zumindest konnte sie erkennen, dass sie öfters besucht wurden. War ein Wächter in ihrer Nähe, hielt sie den Kopf in demütiger Haltung gesenkt und versuchte möglichst wenig aufzufallen. Durch das harsche Tempo und die geringe Distanz zum Vorgänger war es schwierig die Schritte richtig einzuschätzen und anfangs stolperten viele in der Reihe, was jedes Mal zu einem Halten der Kette führte. Peitschenhiebe regnete es und Schreie hallten durch die Höhlen wieder.</p>
<p>Mit der Zeit gewöhnten sich alle daran und nur noch der Hunger und die Ungewissheit nagten an den Gefangenen. Trostlos wankten die meisten dahin, einen Schritt vor den anderen setzend.</p>
<p>Das wenige Fackellicht, das den Trauerzug begleitete, zog sich von einer Höhlenecke zur anderen. Die meisten Gefangenen schien das wenige Licht zu beruhigen, so konnten sie wenigstens den Boden unter den Füßen erkennen oder Farben wahrnehmen. Doch bei jeder Wegbiegung verschwand das Feuerglimmen und tauchte wenige Augenblicke darauf wieder auf. Ein Rhythmus, der die Gefangenenkette abwechselnd in Schatten und Licht tauchte. Die Sharran konnte gut auf das Licht verzichten. Die dreckigen, ausgezehrten Gesichter der anderen Gefangenen erkannte sie auch im Dunkeln wieder. Die Wächter trieben die Gefangenen immer wieder zu schnellerem Tempo an, wenn manche zurückzufallen drohten.</p>
<p>Die Sharran konnte sich ausmalen, was geschehen würde, wenn diese zu bemitleidenden Geschöpfe das Ausmaß ihrer Situation erkennen würden. Sie selbst hatte vor im geeigneten Moment zu fliehen. Und nicht zuletzt deswegen, da sie langsam aus den Gesprächsfetzen ihrer Peiniger das Ziel ihrer Reise entschlüsselte: Irgendein Drow-Außenposten in der Wildnis des Unterreichs. Von dort wollten die Sklavenhändler ihre lebende Ware weiter verscherbeln. Vorzugsweise an zahlende Drow-Kunden oder anderes Gesocks der endlosen Tiefen. Die Sharran hatte während sie Schriften und heilige Texte entziffert hatte, ein wenig über diese fremde, exotische Welt der Dunkelheit gelesen.</p>
<p>So sehr ihr die lichtlosen Tiefen in den Büchern zugesagt hatten, sie wollte sie nicht als Sklavin entdecken, und erst recht nicht als Leibeigene von Elfen.</p>
<p>Wie ein Schatten folgte die Priesterin den anderen Gefangenen, setzte langsam einen Schritt vor den anderen, doch innerlich war sie zum Reißen gespannt und erwartete wie ein Wolf den ersten Augenblick, wo sie von der Leine losgelassen werden würde und dem Nächstbesten an die Kehle fallen konnte. Sie schottete sich vor dem Elend um sich herum ab, das Leiden der anderen Gefangenen interessierte sie nicht. Nur die Stärksten würden einen langen Marsch überleben. In ihrer eigenen Gedankenwelt nährte sie langsam und ganz gezielt ihre Wut und Rache und wartete auf ein Zeichen ihrer Göttin, dass der Moment zur Flucht gekommen ist.</p>
<p>Nach einem endlos erscheinenden Marsch durch die irrwitzigen Höhlengänge und Kavernen, erreichte der Sklavenzug einige alte Steinhütten, die sofort von den Wächtern in Beschlag genommen wurden. Man vertrieb das Ungeziefer und an derselben Stelle, wo die dampfenden Käferreste noch lagen, kettete man die Gefangenen erneut an. Am nächsten Morgen sollte von den Resten nichts mehr übrig sein.</p>
<p>Die Priesterin bemerkte, wie die beiden Drow leise mit den Anführern der Menschen-Eskorte sprachen. Eine schweifende Armbewegung machte wohl allzu deutlich, dass über die Ware verhandelt wurde. Wenig später schritten die beiden Drow und einer der Wächter die Reihe an Gefangenen entlang und deuteten immer wieder auf ein paar Objekte. Als die beiden Drow vor der Sharran standen, konnte sie nicht anders als den beiden dürren Stricken in Ketten und Platten hasserfüllte Blicke zuzuwerfen.</p>
<p>Einer der Drow, der Rechte (sie unterschied die beiden nicht voneinander, weil es ihr egal war, welchen sie zuerst töten konnte), deutete schlicht auf die Rothaarige zu ihrer rechten und ließ seinen Zeigefinger weiterwandern und deutete mit einem nicht ganz unsadistischem Grinsen auf die Schwarzhaarige. Er erwiderte etwas zu dem anderen Drow in ihrer seltsamen zischenden Sprache und schritt die Reihe hinab.</p>
<p>Daraufhin wurden beide Frauen von zwei kräftigen Wächtern auf den Boden gedrückt, jemand durchschnitt mit blankem Stahl den Stoff des Gewands und legte den Rücken der Sharran frei. Ihren Blick auf den dunklen Boden der Hütte gerichtet, konnte sie zuerst ihr eigenes verbranntes Fleisch schmecken, bevor der sengende Schmerz ihre rechte Schulter durchbohrte. Noch bevor sie sich ihre Zunge abbeißen konnte, schrie sie aus Leibeskräften ihre Wut hinaus und versuchte sich aus dem erbarmungslosen Griff des Mannes zu befreien. Nachdem das heiße Eisen von ihrer Haut losgerissen worden war, stieß sie der Mann mit der Stiefelspitze zurück auf den Boden und machte sich an den nächsten Gefangenen.</p>
<p>Wie wild pochte der Sharran nur ein Gedanke durchs Blut und keuchend schluckte sie den Schmerz, spuckte die Schwäche auf den Boden aus und starrte mit lodernd dunklem Blick in die Leere vor sich.</p>
<p>[i]Vergeltung… Vergeltung… Vergeltung…[/i]</p>
<p>Eigentlich schenkte der Dunkelhaarigen niemand Beachtung. Niemand interessierte sich für ihre Schmerzen und niemand bemerkte ihren hasserfüllten Blick. Die Rothaarige rechts von ihr, sah nur mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck, dass die Frau, die bisher keinen Muckser von sich gegeben hatte und sich so stolz und selbstsicher gab, auch schreien konnte, wie andere…</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Episode II &#8211; Einsamkeit (Kapitel 5)</title>
		<link>http://aleksiel.wordpress.com/2009/09/09/episode-ii-einsamkeit-kapitel-5/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:30:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Priesterin schickte ein lautloses Gebet in den düsteren, Wolken verhangenen Nachthimmel hinauf. Es war eine seltsame Angewohnheit – nun nicht seltsam für einen Menschen, doch sehr wohl seltsam für eine Priesterin Shars, der dunklen Fürstin des Verlusts. Für die Priesterin waren die wenigen stillen Worte, die sie ihrer Göttin widmete von eigensinniger Bedeutung. Die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=47&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Priesterin schickte ein lautloses Gebet in den düsteren, Wolken verhangenen Nachthimmel hinauf. Es war eine seltsame Angewohnheit – nun nicht seltsam für einen Menschen, doch sehr wohl seltsam für eine Priesterin Shars, der dunklen Fürstin des Verlusts. Für die Priesterin waren die wenigen stillen Worte, die sie ihrer Göttin widmete von eigensinniger Bedeutung.</p>
<p>Die meisten Menschen beteten in Stunden des Unglücks und der Hoffnungslosigkeit für den Schutz einer Gottheit. Sie sprachen ihre sehnlichsten Wünsche laut vor einem Altar auf, schrieben – so sie es denn konnten – auf kleine Zettel ihre Hoffnungen, die sie dann in einer heiligen Flamme zu ihrer Gottheit schickten.</p>
<p>Doch warum betete jemand, für den es keine Hoffnung gab, für den Wünsche und Segnungen einfach keine Bedeutung hatten? Wünsche, die keinerlei Erfüllung erlangen konnten. Jemand, der sich sicher war, dass das eigene Leben sinnlos war und der Tod durch die Zeit nur hinausgezögert wurde?</p>
<p>Für die Priesterin lag es nicht daran, dass sie sich selbst bemitleidete. Im Gegenteil: Sie war stolz darauf. Stolz eine Auserwählte zu sein, eine Nähe zu ihrer dunklen Gottheit zu besitzen, die die wenigsten besaßen. Durch ihre Augen konnte Shar sehen. Ihre Gedanken waren der direkte Pfad zu ihrer Göttin. In ihr fand sich die Essenz des Glaubens zur Dunkelheit. Unverfälscht zwar, dennoch fehlerhaft.</p>
<p>Im Gegensatz zu den meisten Menschen betrachtete die Sharran nicht den Nachthimmel im speziellen. Viele versuchten einen Blick auf die helle Scheibe des Mondes zu ergattern. Doch in der Welt der Priesterin gab es einen solchen Fixpunkt nicht. Die Stille, die Finsternis und das Wort ihrer Göttin waren allgegenwärtig. Überall herrschte das Nichts.</p>
<p>Es war schwierig diese Gradwanderung zu meistern. Das Vergessen, das Nichts und die Stille waren ein Segen. Dass die Priesterin Gedanken gezielt erfassen konnte, erklärte sie sich nur damit, dass sie die unmittelbare Brücke des Nichts zu den Gläubigen darstellte. Und die schwächlichen Sterblichen, die erst lernen mussten mit dem Negativ des Universums zu leben, benötigten ein lebendiges Beispiel der Macht ihrer dunklen Göttin.</p>
<p>Doch die Motivation der Sharran war ein wenig von egoistischerer Natur. Sie war nicht die Führerin, kein Feldherr. Kein Symbol des Ruhmes. Ihren wirklichen Platz musste sie irgendwie noch finden. Sie würde alles für ihre Göttin tun. Das war ihr vom ersten Atemzug ihres Lebens bewusst. Denn nur in dieser Weise würde sie ihre persönliche Erfüllung erlangen können: Eins werden mit ihrer schwarzen Fürstin.</p>
<p>Ein Paradoxon für ihren Glauben. Ein höheres Ziel für eine arme, schwache Seele, die jedoch keine Ziele kennen durfte.</p>
<p>Also starrte die Priesterin in die Dunkelheit vor sich und ging im Element ihrer Herrin auf. Sie vergaß die Welt um sich herum und tanzte mit den Schatten, die sie mit Freude erfüllten.</p>
<p>Sie tanzte und manchmal vergaß sie selbst in den Schatten die Gefahren, die dort lauerten.</p>
<p>Jäh holte die Priesterin ein dumpfer Schmerz aus dem süßen Vergessen zurück in die Wirklichkeit. Ein leiser Aufschrei wurde von einem groben Stofffetzen – sie roch etwas Vertrautes &#8211; unterdrückt, der auf ihren Mund gepresst wurde. Tausend Arme und Hände schienen sie herumzuwirbeln, irgendetwas zog man über ihren Kopf und im selben Moment, als sie sich dem Erdboden näherte legte sich undurchdringliche Schwärze über ihren Geist. Doch dieses Vergessen konnte sie nicht genießen. Überall in sich fühlte sie immense Wut und einen Hass, welche die Ohnmacht fast zurückdrängten. Nur ihr Körper konnte dem Drang nicht widerstehen, der Realität zu unterliegen. [i]Du wirst eine ewige Träumerin bleiben…[/i]</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Episode II &#8211; Die Stadt der Toten (Kapitel 4)</title>
		<link>http://aleksiel.wordpress.com/2009/09/09/episode-ii-die-stadt-der-toten-kapitel-4/</link>
		<comments>http://aleksiel.wordpress.com/2009/09/09/episode-ii-die-stadt-der-toten-kapitel-4/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:29:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wurde Nachmittag als die Sharran die Bibliothek der Karmiten verließ und sich ihren Weg durch die Straßen der Stadt nach Hause bahnte. An den Marktplätzen wurden die letzten Stände abgeräumt und für den nächsten Tag hergerichtet, nur im Handelsviertel würde man um diese Tageszeit noch ein Geschäft machen können, besser gesagt zu jeder Tageszeit. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=45&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es wurde Nachmittag als die Sharran die Bibliothek der Karmiten verließ und sich ihren Weg durch die Straßen der Stadt nach Hause bahnte. An den Marktplätzen wurden die letzten Stände abgeräumt und für den nächsten Tag hergerichtet, nur im Handelsviertel würde man um diese Tageszeit noch ein Geschäft machen können, besser gesagt zu jeder Tageszeit. Doch dorthin lockte es sie erst später am Abend, wenn die Fackeln und dauerhaften Flammen das Nachtleben Tiefwassers erst richtig erstrahlen ließen.</p>
<p>Ein seltsames Gefühl ließ die Priesterin nicht los, so dass sie etwas lustlos in den Gassen umherwanderte und sich schließlich auf der Straße zur Stadt der Toten wieder fand. Nyra erwähnte den großen Friedhof als sehenswert. Die dunkelhaarige Frau warf einen Blick die Straße hinauf und überquerte schließlich das Pflaster zum Eingang des Friedhofs.</p>
<p>Mit ihren Nachforschungen kam sie heute nicht unbedingt weiter. Vieles wiederholte sich und manche Spuren erwiesen sich schlichtweg als Lügenmärchen. Sie fand einige Reiseberichte von Karawanenhändlern über die Anauroch, ein Foliant erwähnte kurz ein untergegangenes Zwergenreich, aus dessen Ruinen wohl Ascore bestand. Vielleicht könnte sie an diesem Stichpunkt weiterforschen.</p>
<p>Später erwartete sie noch einiges an Arbeit, wenn sie die gesammelten Schriftstücke ihren eigenen Aufzeichnungen hinzufügen wollte.</p>
<p>Während sie die langen Reihen der Grabsteine entlang wanderte, senkte sich langsam die Sonne über den Horizont ab. Nachts wurde der Friedhof immer geschlossen und so wagte sich nur noch anderes Gesindel als das brave Bürgertum hierher. Eine kleine von Weiden gesäumte Allee führte sie an schön verzierten Familienkrypten vorbei auf die Statue Kelemvors zu. An einem Podest blieb sie stehen und blickte über die Reihen der Gräber, Engelsstatuen und spärlich gesetzten Büsche und Bäume.</p>
<p>Die steinerne geflügelte Löwin neben der Priesterin überblickte stolz den angrenzenden Teil des Friedhofs. Das Maul weit geöffnet. Die Priesterin legte ihre Hand auf den grauen, kalten Stein und hielt einen Moment inne. Wie viele solche Wächter mochten den Friedhof säumen? Und in welchen lag Magie inne?</p>
<p>Vielleicht fand sie hier, an einem Ort, den Nyra offenbar gerne aufsuchte, etwas Aufschluss über den Elfen. Da auch ihre anderen Kontakte sie in diesem Hinblick im Stich ließen. Und niemand konnte ihr vorwerfen, dass sie nicht wusste, wo sie suchen sollte.</p>
<p>Als die Priesterin in der Nähe Schritte vernahm, wendete sie sich um und beobachtete die alte Frau, die mit einem Krückstock langsam auf sie zukam. Nun, nicht direkt auf sie zu, anscheinend folgte sie der Allee ebenso um am steinernen Löwen etwas zu rasten. Als die Alte nur wenige Schritte von der Sharran entfernt war, bemerkte die jüngere Frau den leeren Blick der Alten, den sie auf den Stein richtete. Schnell wich die Priesterin etwas zur Seite aus, als die Alte sich an den Stein aufstützen wollte.</p>
<p>Die Gesichtszüge der Alten veränderten sich kurz, als lausche sie auf etwas und schließlich richtete sie ihren Blick auf die Brust der Priesterin vor sich.</p>
<p>„Oh, habe ich da jemanden vertrieben?“ Nichtsdestotrotz lehnte sich die alte Frau an das Podest an und zog rasselnd den Atem ein. „War schon ein langer Weg bis hierher…“</p>
<p>Die Sharran beobachtete die Blinde abschätzend. Die Frau mochte wohl etwas an die 60 Jahre alt sein. Ihre Haut wies zahlreiche Altersflecke auf, Falten um Augen, Wangen und Mundwinkel ließen einen gramvollen Ausdruck entstehen. Die beiden Augen waren von hellgrauer Farbe, die Iris überdeckt, wohl eine altersbedingte Blindheit.</p>
<p>Während die Shar-Dienerin die Blinde beobachtete, breitete sich eine seltsam Stille aus. Schließlich räusperte sich die Alte, gefolgt von einem trockenen Husten. „Sagt, mein Kind. Was bedrückt Euch?“ Überrascht, dass die Alte immer noch vor ihr stand, murmelte die Sharran einfach: „Ich denke nichts. Ihr könnt mir sowieso nicht helfen.“ „Oh, diese jungen Leute. Sie sehen die Schwäche des Alters und denken: Na, wer hässlich ist, kann mir nichts mehr nützen. Ihr vergesst darüber bloß, dass ich viele Jahre die Welt gesehen habe, wie sie ist und davon ein paar gute Dinge zu berichten weiß.“</p>
<p>Eine angenehme kühle Brise wehte über den Platz und die Alte zog ihre Weste etwas enger um den hageren, gebeugten Körper. „Komm, mein Kind… Dann stelle ich dir meinen Mann vor. Er hat schon so lange keinen Besuch mehr gehabt, außer mir…“ Die Lippen der Blinden verzogen sich zu einem müden Lächeln. Mit der Spitze des Krückstocks tastete sie daraufhin den steinigen Boden vor sich ab und setzte sich langsam in Bewegung. Die Blinde wartete gar nicht darauf, dass die junge Frau ihr folgen würde. Dennoch machte sich die Sharran wenige Augenblick später auf und eilte ihr in mäßigem Tempo nach.</p>
<p>Die Sharran schritt gleichauf mit der Alten, vorbei an den Grabsteinen vergangener Leben. Nicht wenige wiesen Risse im ergrauten Stein auf. Selbst im Tod ließ das Wetter nicht von einem ab. Die beiden Frauen verließen die Allee und traten auf ein großes Steinfeld hinaus. Eine kleine Treppe, die schief ins Erdreich geschlagen wurde, führte sie auf einen tiefer gelegenen Platz des Friedhofs. Die Blinde fand ihren Weg zielsicher und wich allen Hindernissen aus, als würde sie diese erahnen. Bis die Alte schließlich vor einem Grabstein stehen blieb, der nur wenige Handbreiten hoch war. Das Grab eines Armen.</p>
<p>[i]Für Thander. Geliebter Ehemann und Vater.[/i]</p>
<p>Die Alte setzte sich einfach auf dem Grabstein nieder und schwieg eine Weile. „Ach, mein Lieber. Hätten die Jungen doch etwas von unserer Weisheit und wir von ihrer Jugend. Dann wäre das Leben einfacher, oder? Und du, mein Kind, was suchst du auf einem Friedhof, zu dem eigentlich nur die Toten und Alten passen?“ Die trüben Augen der Blinden sahen sich suchend um und blieben schließlich in die Ferne gerichtet,  sie sah direkt an der Sharran vorbei.</p>
<p>„Einen Freund… Er hieß Nyra. Kennt Ihr ihn vielleicht?“ Man konnte es wenigstens versuchen. „Nyra, Nyra… Ein seltsamer Name für einen Freund. Nein, den kenne ich nicht. Bist du denn sicher, dass er hier beerdigt ist, mein Kind?“ „Vielleicht frage ich einfach noch mal den Friedhofswärter…“ Die Priesterin schmunzelte. „Ist er es, der dich sorgt? Weißt du, mein Kind, man sollte die Toten in Ruhe lassen und selbst sein Leben leben. Man hat ja nur eines, nicht wahr?“ [i]Eine gute Frage.[/i] „Ist dies euer Mann, der hier begraben liegt?“ Die Blinde berührte den Grabstein kurz andächtig. „Ja, er ist immer bei mir. Auch jetzt noch. Auch wenn ich blind bin, sehe ich ihn noch vor mir. So wie wir uns kennen gelernt haben.“ „Es muss schwer sein sich allein in der Dunkelheit zurecht zu finden…“ „Ach, mein Kind. Es hat wenig Sinn sich über solches Gedanken zu machen. Ich muss keinen hübschen Männern mehr nachsehen, wie die jungen Dirnen von heute. Es reicht wenn ich einmal am Tag ein Lachen hören kann…“</p>
<p>So genügsam. Die Priesterin strich sich leicht mit ihren Fingerspitzen über ihre linke Gesichtshälfte. Sie fühlte tief in sich die Leere ihres linken Auge, auch wenn dort jetzt der kühle Stein saß, den ihr Jade zukommen ließ. Der Verlust, den ihre Göttin gefordert hatte, prägte sie. Doch wie wäre es ganz blind zu sein? Sie zehrte bereits jetzt an den Erinnerungen, die sie sehen durfte. Würden Berührungen und Stimmen ausreichen um ihren Geist zu erfüllen? [i]Ishamael…[/i]</p>
<p>„Wie ist euer Mann gestorben?“ „Ach, Thander… Hörst du noch wie neugierig sie sind?“ Die Alte lächelte versonnen. „Er ist letzten Winter von einem schlimmen Husten dahin gerafft worden. Aber hier hat er jetzt immer ein schön warmes, sonniges Plätzchen.“ Die Blinde kicherte und sah dann zu der jungen Frau auf, wieder verloren sich die grauen Augen im Nichts der Luft. „Wenig darauf hat mich die Dunkelheit heimgesucht und jetzt rieche ich wohl mehr als ich was sehen kann…“ Die Alte versuchte zu lachen, stattdessen überkam sie ein trockener Hustenanfall.</p>
<p>„Ach,“ seufzend. „Hätte ich damals das Geld aufbringen können, um einen Heiler zu bezahlen. Doch in dieser großen Stadt gibt es wenige Menschen, die sich um zwei Alte wie uns kümmern würden… Nicht wahr, Dicker?“ Die Blinde betätschelte mitfühlend mit ihrer faltigen Hand den Grabstein unter sich.</p>
<p>„Und dennoch strahlt ihr vor Glück…“ Die Stimme der jungen Frau klang feststellend. Kurz presste die Blinde ihre trockenen Lippen zusammen und erklärte mit versöhnlicher Stimme. „Wenn man alles verloren hat, kann man nur noch gewinnen. Doch so alt muss man erst einmal werden. Ich rate Euch, genießt einfach das Leben das ihr habt, wenn eure Augen und Finger noch so wollen wie Ihr… Seht zu Selûnes schönem Gesicht hinauf, so oft Ihr könnt. Das ist mein eigenes Mittel gegen die täglichen Sorgen…“ Die Alte hielt inne und lauschte auf ihre Umgebung. Es war auf einmal so unglaublich still um sie herum geworden. Sie rückte etwas unwohl auf dem Grabstein herum und hustete abermals. „Mein Kind… Geht es euch nicht gut?“ Die Frage ertönte etwas lauter und unsicher. Ob die junge Frau noch da war?</p>
<p>Mit einem Mal fühlte die Blinde eine schlanke Hand, die sich ihr versichernd auf die Schulter legte. Eine ernste, dunkle Stimme erklang unweit ihres rechten Ohres. Die junge Frau musste direkt vor sie getreten sein. „Mir geht es gut. Ich bin hier. Und ich werde immer da sein, egal ob Ihr die Augen öffnet oder schließt. Denn ich bin die Nacht, die euch umgibt. Ich bin die Dunkelheit, die eure Herzen mit Angst füllt. Ich bin der Schatten, der auf ewig Ihrem trügerischen Schein ein Ende bereiten wird. Verräter!“</p>
<p>Der Griff der jungen Frau verstärkte sich in diesem Moment und die Fingernägel pressten sich durch das Hemd der Blinden, doch der Schmerz ging unter als ein völlig anderer Schock durch den Körper der alten Frau fuhr. Von den Fingerspitzen der Jüngeren griff eine Eiseskälte auf die Haut der Alten über, schlich ihr durch das Fleisch und biss sich fest in ihre Knochen.</p>
<p>Die angstgeweiteten, ergrauten Augen starrten in die dunkle Leere vor sich, als der Körper der Alten vom Grabstein rutschte, nachdem die Dunkelhaarige sie losgelassen hatte. Die Alte musste wohl an einem schwachen Herzen gelitten haben.</p>
<p>Während die Sharran lautlos alleine durch die Gräberreihen schritt, betastete sie abermals ihre linke Gesichtshälfte. Nein, sie wollte niemals schwach werden. Das ewige Vergessen und die Dunkelheit war ein Segen und diese Närrin hatte die Gabe verschenkt. Ein trauriges Gefühl widmete sie der Toten, die sie noch vor wenigen Momenten wirklich zu mögen begonnen hatte. Schließlich verbannte sie diese Gedanken zu den sinnlosen Tagträumereien für die sie keine Zeit erübrigen wollte und konzentrierte sich wieder auf das was vor ihr lag. Was wollte sie den Rest des Tages anstellen?</p>
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		<title>Episode II &#8211; Nyras Vergangenheit (3)</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[In den frühen Morgenstunden machte sie es sich zur Gewohnheit, dass sie lange Umwege zu den Bibliotheken in Kauf nahm, um etwas von der Stadt zu sehen. Dem Nordviertel blieb sie allerdings fern, denn die Priesterin wollte nicht unbedingt ein Wiedersehen mit alten Freunden feiern. Nächtelang verbrachte die dunkelhaarige Priesterin damit, die Bibliothek des Turms [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=43&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den frühen Morgenstunden machte sie es sich zur Gewohnheit, dass sie lange Umwege zu den Bibliotheken in Kauf nahm, um etwas von der Stadt zu sehen. Dem Nordviertel blieb sie allerdings fern, denn die Priesterin wollte nicht unbedingt ein Wiedersehen mit alten Freunden feiern.</p>
<p>Nächtelang verbrachte die dunkelhaarige Priesterin damit, die Bibliothek des Turms zu durchforsten. Auf ihrem Tisch aus durch die Zeit erdunkeltem Eichenholz stapelten sich Bände der Chroniken der Stadt, die von Gelehrten, Oghma-Dienern und Magiern verfasst wurden. Zeittafeln durchforstete sie auf der Suche nach einem einzigen Namen, nach einer Identität.</p>
<p>Markus brachte ihr oft einige Folianten herbei, die er für wichtig erachtete. Meist blieb er dann eine Weile stumm an ihrem Tisch stehen, während sie staubige Seiten umblätterte. Die Hälfte dieser Zeit bemerkte sie, wie der Adept sie anstarrte und sie malte sich aus, wie Markus die andere Hälfte damit verbrachte nach sinnvollen Worten zu greifen, um sie ins Gespräch ziehen zu können. Häufig schickte sie ihm genau in dem Moment, in welchem er Luft holen wollte, einen kalten Blick zu um ihn mit harschen Worten auf seine anderen Pflichten aufmerksam zu machen. Als er betrübt von dannen zog, sah sie dem Magier meist lange Zeit amüsiert nach. Nach drei Wochen, in denen sie mehr von Tiefwasser gelernt hatte, als sie jemals gedacht hatte, schlug sie den Deckel der „Aufzeichnungen von Selenia, Herzenswächterin der Sune“ zu und ließ die langen Listen des Geburtsverzeichnisses hinter sich. Ein Elfen mit Namen Nyra war nirgends erwähnt oder gar seine Herkunft beschrieben. Keine Eltern, kein Wohnort, kein Datum. Obwohl Nyra nach seiner Aussage sein ganzes vorheriges Leben in der Stadt verbrachte, gab es kein Anzeichen dafür, dass er die Wahrheit sprach. Irgendetwas war doch seltsam an diesem Elfen. Ein Geheimnis, das die Sharran unweigerlich anzog und mit einer sanften Stimme dazu riet es zu ergründen.</p>
<p>Natürlich bestand die Möglichkeit, dass sie etwas übersehen hatte. Viele Menschen und andere Wesen, die es in Städte wie Tiefwasser zog, betrachteten die Anonymität, die sie in einer so großen Stadt erhielten, als durchaus vorteilhaft. Doch war Nyra ein derartiges Wesen? Zwielichtig? Früher oder später würde sich Nyra verraten und sie konnte sein kleines Geheimnis ergründen.</p>
<p>Mit einem zufriedenen Lächeln erhob sich die Schwarzhaarige und nahm sich zweier Folianten an, um diese zurück ins Regal zu stellen. Jetzt würde sie sich wieder anderem zuwenden können. Vielleicht mochten ihre Notizen über einige Namen, die ihr bei der Suche aufgefallen waren von größerem Nutzen sein.</p>
<p>Wenige Tage später erreichte die Priesterin ein Bote. Etwas verschmitzt belächelte der stämmige Mann sie, unten auf der Straße stand ein braunroter Gaul. „Meine Grüße, gute Dame. Man sagte mir, ich würde Euch hier finden.“ Er kramte in einer seiner Satteltaschen, die er dann wieder über den Arm schwang und reichte ihr einen versiegelten Brief bevor er erneut die Treppe hinunterpolterte. Einen sehr langen Moment folgte der Blick der Dunkelhaarigen dem Mann, bis er außer Reichweite war. Wie bei den Neun Höllen hatte der Mann sie gefunden? Dann öffnete sie langsam den Brief und überflog die Zeilen. Mit einem seichten Schmunzeln kehrte sie in ihr Zimmer zurück und las den Brief erneut, diesmal aufmerksamer. Gabriel hatte also auf ihr Schreiben geantwortet. War er immer noch treu? Seinen Worten entnahm sie es. Sie zog das Stück Papier zu sich an die Brust und ließ sich theatralisch seufzend zurück auf ihre Schlafmatte fallen.</p>
<p>Mit einem weiteren Lächeln stand sie auf, zerknüllte den Brief und übergab ihn den Flammen. Jetzt musste sie nur noch diesen Boten finden…</p>
<p>Die darauf folgenden Tage erinnerten sie wieder an die Silbermarken. Die Winde vom Meer brachten kalten Regen zum Festland. Ein stark bewölkter, dunkelgrauer Himmel dominierte die Sicht. Gestalten in langen Mänteln eilten durch die Straßen, über die nassen Bürgersteige. Rinnsale suchten sich einen Weg über die Pflastersteine und die schweren Regentropfen sammelten sich in den Traufen, Becken und Regenlachen. Solcherlei verregnete Tage und Nächte verbrachte die Sharran gerne in fröhlicher Gesellschaft. Es zog sie dann zu den Stadttoren, wo sie in einem großen Kellergewölbe der Vergnügungshäuser saß und die Künste der Barden und Spielmänner mitverfolgte. Zwar beachtete niemand die einfache Reisende in den dunklen Gewändern, aber nichts entging der dunkelhaarigen Frau.</p>
<p>Als sie es satt hatte die anderen Gesichter zu beobachten, folgte sie dem Gesang eines Barden aus dem Norden, der von einer Handvoll von Freunden sang, die sich gegen eine Übermacht an Trollen erwehrten.</p>
<p>Während inmitten des Raumes der hellblonde Schönling sein Bestes gab, lenkte eine Schattenwand alle Blicke auf sich, an welcher hellen Leinwand sich die dunklen Schatten vieler Soldaten abmalten. Von irgendwoher gellte eine schrille Stimme einen Kampfschrei, dann nahm die sanfte Stimme des Barden wieder an Lautstärke zu.</p>
<p>Das Publikum war durch und durch gemischt. Manche Gestalten fielen der Sharran eher auf, als andere. Ein hagerer Mann, der sich wohl zum Spaß in ärmere Gewänder gehüllt hatte, aber noch den gut gepflegten und übertrieben geflochtenen Spitzbart eines betuchten Adeligen oder Händlers trug. In einer Ecke lehnte ein junger Bursche, der seine rechte Hand stets auf dem Griff seines Degens liegen hatte, und sich mit großen Augen umblickte, als würde er für den nächsten Moment ein großes Abenteuer wittern.</p>
<p>Die Sharran kannte diese Menschen. Jahrelang hatte sie sich mit den verborgenen Fantasien der Sterblichen auseinandergesetzt, hatte ihre tieferen Sehnsüchte zu deuten gelernt – in jedem Herz loderte eine kleine dunkle Flamme. Oft blieb diese dem Besitzer unerkannt, bis sie eines Nachts aufbrechen würde und den ganzen Menschen in einem Atemzug verzehrte.</p>
<p>Aus Liebe entstanden die größten Tragödien.</p>
<p>Ihre Gedanken eilten weiter bis sie sich wieder auf die Worte des Barden besann. [i]“…Und die Erinnerungen schwanden mit jedem Jahr …“[/i] Der Sänger hielt eine Lyra in der Hand und die Saiten der kleinen Harfe schwangen mit den Wortfetzen des Liedes im Takt. Mit halb geschlossenen Augen formten die Lippen des Barden Worte und in jeder neuen Strophe begann das auf und ab seiner melodischen Stimme aufs Neue. Die Priesterin vergaß ihre eigenen Gedanken und lauschte dem Sänger.</p>
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		<title>Episode II &#8211; Fortsetzung 2</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:28:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[[i]Wir spielen mit dunklen Zungen Verstecken die Wahrheit Geben sie Euch nur zurück, wenn Ihr lernt sie zu begreifen[/i] [b]Fortsetzung…[/b] Die Frau, die sich so einfach zu ihm gesetzt hatte, besaß durchaus genügend Selbstvertrauen. Der Adept musterte sie noch eine ganze Weile, bis er sich sicher sein konnte, dass sie es ernst gemeint hatte, als [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=41&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[i]Wir spielen mit dunklen Zungen</p>
<p>Verstecken die Wahrheit</p>
<p>Geben sie Euch nur zurück, wenn Ihr lernt sie zu begreifen[/i]</p>
<p>[b]Fortsetzung…[/b]</p>
<p>Die Frau, die sich so einfach zu ihm gesetzt hatte, besaß durchaus genügend Selbstvertrauen. Der Adept musterte sie noch eine ganze Weile, bis er sich sicher sein konnte, dass sie es ernst gemeint hatte, als sie ihn ansprach. Denn da saß sie &#8211; in ein langes schwarzes Tuch gewickelt, ein dünner schwarzer Seidenschleier verbarg ihre untere Gesichtshälfte vor ihm -  und spielte mit dem Kristallglas in ihren Händen. Ihre dunkelbraunen Augen, die im Kontrast zu den Kerzenlichtern am Tisch fast schwarz wirkten, erschienen ihm geheimnisvoll und tief. Unter den Bahnen von Stoff konnte er ihre Figur unschwer erahnen. Niemals hätte er gedacht, dass ein so einfaches Gewand die Züge einer Frau derart betonen könnte. Sie hatte einen dünnen, grazilen Körper, einen schmalen Hals und ebensolche Schultern und ihre volle Brust zeichnete sich verführerisch unter der schwarzen Seide ab. Im Gegensatz zu den meisten Frauen der Stadt und des Norden war sie kleiner, weniger kräftig, und ihr Becken war etwas breiter, doch diese kleinen Makel wirkten nur einladender auf ihn. Aber von ihren Lippen, die sich unter dem dünnen, fast durchsichtigen Schleier abzeichneten, konnte er nicht genug bekommen.</p>
<p>Es schien fast so als würde ein trügerisches, kühles Lächeln stets auf ihren Lippen liegen. Er würde gerne unter den Schleier blicken…</p>
<p>„Wie ich sehe ist euer Glas leer, darf ich euch etwas von diesem Wein anbieten, meine Dame?“ „Gerne, wenn Ihr mir denn etwas mehr von euch erzählen wollt?“ Ihre dunkle Stimme mit dem rauen Kern besaß diesen gewissen verschwörerischen Unterton, etwas, das geflüstert noch tausend Mal süßer schmecken würde… Alles an ihr schien ihn nur noch mehr in den Bann schlagen zu wollen, und ihm fiel einfach kein passender Zauberspruch dagegen ein.</p>
<p>Er konnte einfach nur noch mitverfolgen wie ihre Hände und langen Finger mit dem wohlgeformten durchsichtigen Glas umgingen…</p>
<p>Die nächsten Abende traf sich die Sharran weiterhin mit Markus und ließ ihn doch jede Nacht wie einen Singvogel in der Schlinge zappeln. Sie wählte ihre Worte mit Bedacht und nach und nach erzählte ihr der Magier von den Bibliotheken und den Büchern, die sie bald sehen könnte. Markus war einer der Gutgläubigen. Er hatte hellbraune Haare und klare blaue Augen, die jedoch zu oft vom Wein getrübt wurden. An sich hätte sie ihn sicherlich ansprechend gefunden, doch irgendwie verlor sie in letzter Zeit einfach die Lust an solcher Kurzweil. Warum auch brachte man Magiern nicht die wichtigen Dinge bei, die man im Leben brauchen konnte? Sondern verschwendete soviel darauf sie in arkane Mysterien einzuweihen? Einweihen… Man konnte sich alles mit Gold kaufen. Markus Geschichte war keine andere. Er stammte aus einer reichen und berühmten Magierfamilie, die schon lange Beziehungen mit dem Schwarzstabturm hatte. Der Adept hatte sich nichts verdient. Und deswegen war sein Geist so schwach… Sie konnte mit ihm machen, was sie wollte.</p>
<p>Die Priesterin erzählte ihm von ihren bisherigen Reisen und hielt so oberflächlich Markus Interesse aufrecht. Als Gelehrte war ihr eigene Faszination an Büchern und Schriftrollen nur zu gut nachvollziehbar und recht bald hatte sie mit Markus Hilfe ein kleines Gespräch mit dem Bibliothekar des Turms.</p>
<p>Auch wenn der Bibliothekar, ein ergrauter Wissensdiener, sie einige neugierige Fragen über ihre Profession und genaues Interesse an der Bibliothek stellte, blieb sie ihrer Maske treu und ließ keine Unklarheiten über ihre Person aufkommen. Eine Gelehrte aus Silbrigmond auf der Suche nach Wissen. Und hier würde sie Antworten auf ihre Fragen erhalten…</p>
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	</item>
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		<title>Episode II &#8211; Fortsetzung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>aleksiel</dc:creator>
				<category><![CDATA[In den Schatten Tiefwassers]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stadt der Lebenden Die Sharan konnte sich einfach nicht vom Südviertel loskaufen. Das geschäftige Treiben am Morgen und die Rufe, die durch die Straßen voller Händler schallten, als eine neue Karawane durch die Stadttore kam, erinnerten sie zu sehr an Atkatla und sie genoss das Stück Erinnerung, das sonst recht verschlossen in ihrem Herzen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=aleksiel.wordpress.com&amp;blog=3636686&amp;post=39&amp;subd=aleksiel&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Stadt der Lebenden</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die Sharan konnte sich einfach nicht vom Südviertel loskaufen. Das geschäftige Treiben am Morgen und die Rufe, die durch die Straßen voller Händler schallten, als eine neue Karawane durch die Stadttore kam, erinnerten sie zu sehr an Atkatla und sie genoss das Stück Erinnerung, das sonst recht verschlossen in ihrem Herzen weilte. Ihre neue Bleibe bestand aus einem kleinen Raum, einer ehemaligen großen Abstellkammer, die man während den belebten Zeiten im Sommer an Fremde vermietete. Ein winziges Fenster, das sich nur quietschend öffnen ließ, gewährte einen Blick auf die Straße. In der Nähe befand sich ein kleiner Platz mit einem Brunnen an dem man früh morgens die Waschfrauen beim Gossenklatsch-Austausch belauschen konnte.</p>
<p>Jetzt konnte sie sich wieder ihrem eigentlichen Ziel in Tiefwasser widmen. Den Büchern und Schriftrollen. Sie wusste, dass sie für ihre delikateren Forschungsthemen Zugang zum Schwarzstab-Turm bräuchte. In der Bibliothek der Karmiten würde sie das etwas zugänglichere Wissen finden. Früher oder später würde sich eine Gelegenheit finden, um ihr das zu besorgen, was sie benötigte.</p>
<p>Der mächtige Magierturm, voller Wendeltreppen und geheimen Passagen, Gelehrter und das in ihm gescharrte und gehortete Wissen, erhob sich vor der Sharan in die Luft. Die Spitze des Turms konnte man bereits von weitem erkennen, doch direkt gegenüber der Hauptpforte an einem Brunnen zu sitzen, und hinauf zu starren (dabei musste man sich mörderisch den Hals verrenken), machte die dunkelgraue Steinfassade um einiges eindrucksvoller. Sie biss von ihrem grünen Apfel ab, der wesentlich saurer war, als es ihr der Händler weiß machen wollte. Die Dunkelhaarige blieb etwa eine halbe Stunde dort und beobachtete mit neugieriger Mine, wer von den Torwächtern ein- und ausgelassen wurde. Danach wechselte die Priesterin ihren Standort und setzte sich in das Gasthaus direkt in Nähe des Turms und sah aus dem Fenster. Einige Gesichter merkte sie sich, bevor sie erneut den Platz wechselte und den Turm von einer anderen Seite aus, im Schatten einer Eiche, betrachtete.</p>
<p>Nach ein paar Stunden kehrte sie heim, nur um an den darauf folgenden Tagen ein paar Mal kurz an dem Turm vorbeizulaufen, und andere Passanten zu beobachten.</p>
<p>Sie suchte die Gasthäuser auf, in denen bevorzugt Magier sich trafen und versuchte ein paar Gespräche aufzuschnappen. Oft genug aber gelang es ihr mit keiner Finte etwas außer den Lieblingsthemen von den Magiern aufzugreifen. Vielleicht war es irgendwann nützlich für sie… Schließlich konzentrierte sie sich auf eines der jüngeren Mitglieder des Ordens und beobachtete seine Gewohnheiten.</p>
<p>Unter dem Tuch der dunklen Göttin leuchteten die Straßen des Handelsviertel um die Wette. Lampen, Kerzen, bunte Laternen, die tagsüber schwiegen, erweckten die Stadt nachts zum Leben. Und die Menschen folgten dem Licht wie Motten, wie Untote dem Leben, dass ihnen tagsüber entging. Entweder man wollte die Nacht und ihre dunklen Schrecken mit dem Licht vertreiben, oder es scherte keinen um diese alte Geschichte und man versuchte die willigen Käufer zu jeder Stunde des Tages anzuziehen. Dieser Geschäftssinn war bemerkenswert. Die Schatten an den Hauswänden tanzten zu den flackernden Lichtern. Es war wie ein kleiner Schaukampf &#8211; tausendfach in einem Kristall gespiegelt. Das Licht wich zurück, der Schatten kam, ein Windstoß ließ das Licht erzittern und der Schatten äffte die kurze Schwäche nach, nur um abermals um das Licht herumzutanzen, das fest an seinem Platz saß.</p>
<p>Als die Sharan aufmerksam durch die nächtlichen Straßen schlenderte und die geschäftigen Menschen beobachtete, fragte sie sich nicht das erste Mal, ob auch andere das Licht nicht scheuten und frei in der Masse wandelten. Sicherlich boten zwielichtigere Gassen ein besseres Umfeld für manche Geschäfte, aber dieses Treiben im Handelsviertel sollte doch nicht nur Schaulustige oder Langschläfer anlocken? Zusätzlich fand man natürlich viele tageslichtscheue Wesen wie sie.</p>
<p>Sicherlich gab es auch eine Zelle Shars in dieser Stadt, wenn nicht sogar mehrere. Ab und zu fragte sie sich, ob sie nicht nach weiteren Anhängern suchen sollte, auch wenn dies bedeutete, dass sie ihre Inkognito-Maske erst einmal aufgeben musste. Die Sharran fühlte sich hin und her gerissen zwischen der eigenen Unabhängigkeit und den Freuden, die sie bei einem der großen Dienste zu Ehren ihrer Göttin verspüren würde. Der Willen ihrer Göttin würde es entscheiden, wie sie vorgehen sollte. Ein Kontakt bescherte auch immer viele Verpflichtungen, und sie hatte genug Arbeit vor sich.</p>
<p>Langsam ließ sie sich die Straße entlang an den Geschäften und kleineren Läden vorbei zu ihrem Ziel treiben. Sie hatte keine Sorgen, dass sie den jungen Magier verpassen würde. Er schien Ablenkungen und Wein fast noch mehr zu lieben als das Studium im Turm.</p>
<p>Die Sharran beobachtete das Treiben um sich herum, die Menschen, die aus allen Winkeln Torils hierher in die prächtige Stadt kamen. Die Stadt zog nicht nur Händler und Reisende an, Abenteurer, Halsaufschneider und Prügelknaben fand man an jeder Ecke zwei.</p>
<p>Die junge Frau schritt die lange Straße hinab, ab und zu wich sie anderen Passanten aus, die meisten machten jedoch einen Bogen um die gerade schreitende Frau in der schwarzen wallenden Roben, deren untere Gesichtshälfte von einem dünnen Seidenschleier verborgen war.</p>
<p>Sie ließ sich dahin treiben und musterte fasziniert die bunten Lampions. Wäre es nicht eine Freude, diese künstlich erleuchtete Welt mit einem Mal in völliger Finsternis versinken zu lassen? Die Angstschreie wären berauschend.</p>
<p>Etwas zog an ihrem Gewand und schnell wirbelte die Priesterin herum, gewahr, dass sie ihre Aufmerksamkeit etwas abschweifen hat lassen. Der Junge vor ihr erschrak zu Tode und taumelte zurück, als die ausgestreckte Hand der Frau ihn an der Wange traf und ihre Fingernägel über seine Haut kratzten.</p>
<p>Die Sharran verfluchte den Taschendieb leise. „Du wagst es? Man sollte dir deine Hand dafür abschlagen, du Taugenichts!“ Nicht zuletzt der dunkel funkelnde Blick brachte den jungen Dieb dazu auf der Stelle kehrt zu machen und Sporengeld zu geben.</p>
<p>Als noch eine Hand zu ihrer Robe fuhr und den kleinen Lederbeutel abtastete, verfolgte die Priesterin mit, wie der Junge hinter dem nächsten Straßeneck verschwand. Das Krallenmal hatte bereits zu bluten begonnen und würde sicherlich eine liebevolle Narbe abgeben. Zufrieden wendete sich die Sharran wieder der Straße zu. Einige andere Leute starrten sie überrascht an, manche nickten ihr zu, andere wendeten sich kopfschüttelnd ab. Sie lächelte unter dem Schleier und wandelte zufrieden weiter über das Kopfsteinpflaster.</p>
<p>War sie als Kind nicht auch oft genug durch die Straßen geschlichen, auf der Suche nach einer vollen Geldbörse? Dabei ertappt zu werden war gefährlich. Der Junge hatte die Lektion durchaus verdient. Außerdem gefiel ihr der letzte furchtsame Blick, den der Taschendieb ihr zu geworfen hat. Der Moment blieb dem Jungen wohl durchaus in Erinnerung – wohl eher in schlechter. Und so sollte es sein. Im selben Moment fiel ihr ein altes Kindermärchen ein, das ihr oft erzählt wurde. Die Priesterin nahm sich vor, die Worte nachträglich aufzuschreiben, denn noch immer gefiel ihr das Märchen.</p>
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